2.6 Therapieindikationen und Therapiestrategie

Eine Therapieindikation wird im Allgemeinen bei einem IPSS-Wert über 7 und bestehendem Leidensdruck gesehen. Die Quantifizierung von Beschwerden und Leidensdruck soll mit dem IPSS-Fragebogen erfolgen.

Daneben sollen als Selektionskriterien

  • der Grad der Blasenauslassobstruktion (BOO, BPO) und
  • die Wahrscheinlichkeit der Progression (Wahrscheinlichkeit der Ausbildung von BPS-Komplikationen) in die Therapieentscheidung einfließen, um eine Therapiekaskade zu vermeiden.
  • Eine Patientenselektion unter Beachtung des Obstruktionsgrades durch sonographische Bestimmung der Detrusordicke und der Uroflowmetrie soll bereits bei der initialen Untersuchung durchgeführt werden.
  • Der chronisch progrediente Charakter des BPS impliziert neben der Symptomenverbesserung auch die Progressionshemmung als Therapieziel. Um das Nutzen-Risiko-Verhältnis einer progressionshemmenden Therapie beurteilen zu können, soll eine Einschätzung des Progressionsrisikos erfolgen.

Daneben gelten für die BPS-Behandlung folgende Standards:

  • Ein Therapieversuch ohne die in den „Leitlinien der Deutschen Urologen zur Diagnostik und Differentialdiagnostik des Benignen Prostata-Syndroms (BPS)“ aufgeführte Diagnostik und deren urologische Bewertung soll unterbleiben.
  • Eine Patientenselektion sollte erfolgen, um eine Therapiekaskade (z. B. Phythotherapie gefolgt von alpha-Blockern, gefolgt von Kombinationstherapie mit 5-ARI, gefolgt von OP) zu vermeiden.
  • Die Therapie soll individuell angepasst sein und dem Indikationsbereich der einzelnen Medikamente bzw. Verfahren entsprechen.
  • Die Wirksamkeit der Therapie soll anhand eines Symptom-Fragebogens, gegebenenfalls mit der Bestimmung von Harnfluss und Restharn, überprüft werden.

Die Wahl des Behandlungsverfahrens sollte nach Aufklärung des Patienten gemeinsam von Patient und Arzt getroffen werden. Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, konservativ oder operativ zu behandeln.

Absolute OP-Indikationen sind:

  1. rezidivierender Harnverhalt durch BPO
  2. rezidivierende Harnwegsinfektionen durch BPO
  3. konservativ nicht beherrschbare, rezidivierende Makrohämaturien durch BPO
  4. Harnblasenkonkremente durch BPO
  5. Dilatation des oberen Harntraktes, eingeschränkte Nierenfunktion oder Niereninsuffizienz durch BPO